WF Zeitung: „Victor Perli startet mit Optimismus für sozialen Umbau“

17. August 2017  Bundestagswahl

Wolfenbütteler Zeitung, 16. August 2017

„Mit Optimismus für sozialen Umbau“

Victor Perli tritt im Wahlkreis 49 (Salzgitter/Wolfenbüttel) für die Linke an. Von Kai-Uwe Ruf

Victor Perli ist ein Optimist. „Ich habe eine reelle Chance“, sagt der Bundestagskandidat der Linken für den Wahlkreis Salzgitter/Wolfenbüttel/Vorharz gleich zu Anfang des Gesprächs. Auf Listenplatz vier stehe er in Niedersachsen. „Man muss optimistisch sein, wenn man sich politisch engagiert“, meint er kurz darauf, als es um eines seiner Schwerpunktthemen geht: Frieden und Sicherheit. Eine neue Entspannungspolitik im Stile Willy Brandts wünscht er sich. „Kriege beenden“ nennt er als eines seiner Ziele. Kriege hätten nicht zu mehr Sicherheit beigetragen. Im Gegenteil: „Die Sicherheitslage wurde immer schlechter.“ Schluss sein müsse auch mit den Waffenexporten: „Sie führen zu Not, Leid und Flucht.“ Perlis Alternative: Man müsse die UN stärken, damit sie ernstgenommen werde und eine große Friedenskonferenz einberufen, die sich mit der Region des Nahen Ostens befasse. „So lange es Verlierer gibt, drohen diese neue Ungerechtigkeiten zu produzieren“, sagt der 35-Jährige. „Die Vorstellung einer gerechten und friedlichen Welt ist für mich eine gute Vorstellung.“

Die Themen Frieden und Gerechtigkeit brachten ihn vor knapp zwei Jahrzehnten dazu, sich politisch zu engagieren, erzählt der Wolfenbütteler. Die Jugendgruppe Linksjugend solid habe er mit aufgebaut. Der Afghanistan-Krieg und die Agenda 2010 mit ihren Auswirkungen auf den Sozialstaat hätten ihn beschäftigt: „Ich habe den Sozialstaat und den Frieden in Gefahr gesehen. Da wollte ich mich engagieren.“ 2001 trat er bei den Linken ein und übernahm auch bald überregionale Aufgaben. Er wurde Bundessprecher der Linksjugend und schaffte 2008 den Sprung in den niedersächsischen Landtag. Von 2011 bis 2015 saß er im Wolfenbütteler Kreistag. Anschließend übernahm er ehrenamtlich den Vorsitz der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen. Hauptberuflich arbeitet der studierte Politikwissenschaftler derzeit als Geschäftsführer eines Gastronomieunternehmens im Ostharz.

Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander, beobachtet Perli. Als Folge der Hartz-IV-Gesetze herrschten auch in der Mitte der Gesellschaft Abstiegsängste. Gut sei es, dass es Suppenküchen und Tafeln gebe, besser wäre es aber, wenn man diese Einrichtungen gar nicht bräuchte. Perli setzt das Rezept der Linken dagegen: Eine Steuerreform sei nötig. Sie solle alle entlasten, die weniger als 7100 Euro brutto im Monat verdienten. Wer mehr Geld bekomme, sollte hingegen stärker besteuert werden. Der Spitzensteuersatz solle auf 53 Prozent angehoben werden. Außerdem müsste es eine Millionärssteuer geben. Wer mehr als eine Million Euro Vermögen habe, müsste darauf jedes Jahr fünf Prozent Steuern zahlen. „Wir wollen, dass die Arbeiter und die Mittelschicht entlastet werden“, meint Perli. Gegen die Altersarmut will er eine Mindestrente setzen.

In der Pflege und im Gesundheitsbereich benötige man mehr Kräfte. Dazu müsse man diese Berufe attraktiver machen und besser bezahlen. Auch dafür gelte es, neue Wege beschreiten. Perli: „Nötig ist eine solidarische Gesundheitsversicherung.“


ZUR PERSON

Victor Perli (35) wurde in Bad Oeynhausen geboren. Er besuchte in Wolfenbüttel das Gymnasium im Schloss. Nach dem Abitur studierte er in Braunschweig und Potsdam Politische Wissenschaften. Seit 2001 ist er Mitglied der Partei Die Linke. Außerdem ist er Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, des Mieterbundes und der AG Schacht Konrad.

MEINE WICHTIGSTEN THEMEN: Soziale Gerechtigkeit und Frieden

1 Soziale Gerechtigkeit

Gute Arbeit und planbares Leben statt Dumpinglohn, Befristung und Leiharbeit. Mindestrente von 1050 Euro schützt vor Altersarmut. Alle Einkommen unter 7100 Euro steuerlich entlasten.

2 Mehr Personal in Gesundheit und Pflege

Landärzte fördern und Krankenhäuser stärken, nicht privatisieren. Soziale Berufe besser bezahlen und 100 000 Pflegekräfte mehr einstellen. Schluss mit der 2-Klassen-Medizin.

3 Frieden und Sicherheit

Eine Erhöhung der Rüstungsausgaben gefährdet den Frieden in Europa. Wir wollen Waffenexporte stoppen, Kriege beenden und eine neue Entspannungspolitik in der Tradition Willy Brandts.