Anfrage deckt auf: Über 10.000 Verstöße bei Mindestlohnkontrollen in Niedersachsen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berlin/Hannover. Der Zoll hat im vergangenen Jahr bei Mindestlohnkontrollen in Niedersachsen über 10.636 Verstöße registriert. Das geht aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Victor Perli (DIE LINKE) hervor. Demnach hat die für die Kontrollen zuständige Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) im Jahr 2019 landesweit in 8.311 Fällen Strafverfahren und in 2.325 Fällen Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Die meisten Verstöße wurden in der Baubranche sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe verzeichnet. „Diese Zahlen sind alarmierend. Mindestlohnbetrug ist kein Bagatelldelikt, sondern Wirtschaftskriminalität. Es ist skandalös, wenn Unternehmen ihre Beschäftigten um den ohnehin viel zu niedrigen Mindestlohn prellen“, kritisierte Perli.

In diesem Zusammenhang wies der LINKEN-Abgeordnete auf die hohe Dunkelziffer hin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gehe davon aus, dass rund 212.000 Beschäftigte in Niedersachsen nicht den gesetzlichen Mindestlohn bekommen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die aufgeklärten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Die Große Koalition hat bei der Einführung des Mindestlohns versäumt, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll personell so aufzustellen, dass flächendeckend kontrolliert werden kann. Es braucht mehr Personal und mehr Kontrollen, um den Mindestlohnbetrug wirksam zu bekämpfen“, so Perli, der zugleich wirksamere Strafen fordert. Zollbeamte hätten ihm über Fälle berichtet, bei denen die Geldstrafen niedriger seien als die zuvor durch den Mindestlohnbetrug eingesparten Löhne und Sozialbeiträge.

Perli fordert den Bund und die Länder auf, eine Telefon-Hotline gegen den Mindestlohnbetrug einzurichten, um das Anzeigen von Verstöße zu vereinfachen. „In Großbritannien wurden damit gute Erfahrungen gemacht. Neben Betroffenen machen vor allem kleine Unternehmen davon Gebrauch, um sich gegen unlautere Geschäftspraktiken der Konkurrenz zu wehren. Das ist eine gute Sache, die auch hierzulande eingeführt werden sollte“, so Perli. Der Mindestlohn beträgt derzeit 9,35 Euro. DIE LINKE fordert einen Mindestlohn in Höhe von 12 Euro.